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Herzlich willkommen beim Tastenscout!

Diese Hompage dient als Vermittler zwischen (vorrangig) Klavier- bzw. Flügelverkäufern und suchenden dieser Instrumente. Es ist keine kommerzielle Seite. Ich bin zwar Klavierbaumeister und biete beiden Parteien meine Dienste als unabhängiger Sachverständiger an, möchte aber an der Vermittlung der Instrumente nichts verdienen. Meine Passion ist es Fehlkäufe zu vermeiden. Ich habe in meinem Job bereits so viele enttäuschte Käufer von angeblichen "Schnäppchen" oder "Raritäten" kennen gelernt und möchte mit diesem Portal dazu beitragen so etwas zu vermeiden.

Im Verlauf der Zeit möchte ich diese Seite stetig mit wissenswertem rund um den Kauf gebrauchter Klaviere und Flügel erweitern. Ich möchte Sie mit Fackten und Fachdaten für die einerseits fragile aber andererseits auch robuste Beschaffenheit des Klaviers bzw. Flügels sensibilisieren und begeistern.

Auch werde ich hier Angebote von Instrumenten einstellen die von mir geprüft wurden.

 

Im Moment ist es hier sicher noch etwas karg, aber ich gebe mir Mühe.

 

Stand: 14.07.2016

Grundsätzliches


Das größte Problem beim Kauf eines gebrauchten Klavier oder Flügel liegt in der Erkennbarkeit seines tatsächlichen Zustands. Selbst versierte Klavierspieler und sogar Klavierlehrer haben schon ein Instrument für tauglich befunden und zum Kauf empfohlen, dass nach fachlicher Begutachtung nur mit sehr hohem Aufwand den gewünschten Nutzen gehabt hätte. Nur weil jede Taste einen Ton von sich gibt, heißt es noch lange nicht, dass das Klavier/ der Flügel auch spielbar ist. Viele Faktoren spielen hier eine Rolle.

  • Ist das Instrument überhaupt noch stimmbar ?
  • Ist die Gußplatte intakt ?
  • Sind die Klangstege soweit in Ordnung, dass sie die Saitenschwingung gut auf den Resonanzboden übertragen ?
  • Wie verschlissen ist die Mechanik ?
  • Können die Hammerköpfe noch dynamische Abstufungen erzeugen ?

Diese und viele andere Fragen stellen sich bei der Auswahl eines gebrauchten Klaviers oder Flügels. Die Optik spielt dabei keine Rolle. Mit zunehmenden Alter "ermüden" einige Bauteile und müssen dann z.T. sehr kostspielig erneuert werden.

Allein die Saitenzugkräfte setzten das Instrument mit 160 kN bis hin zu 200 kN unter Spannung. In kg Gewicht ausgedrückt entspricht das 16-20 Tonnen. Ein voll beladener LKW, wie ihn z.B. Aldi für die Versorgung seiner Fillialen einsetzt, bringt ein solches Gewicht auf die Waage. Leicht vorzustellen, dass unter solchen Kräften eine Materialermüdung statt findet.

Es gibt noch viele Beispiele für Materialermüdung oder Verschleiß in einem Klavier oder Flügel und die meisten sind für Laienaugen nicht erkennbar. Denn allem Verschleiß und fast jedem Alter zum Trotz - das Instrument spielt und lässt selten auf den ersten Blick vermuten, welche Probleme im Innern schlummern.

So kommerziell dieser Rat auch klingen mag, eine Begutachtung durch einen Fachmann ist immer günstiger als ein Fehlkauf und somit eine gute Investition.

Abgesehen vom verlorenen Kaufpreis und den Transportkosten (ca. 80,-€ aufwärts) kostet die Entsorgung eines Klaviers ca. 400,-€ oder mehr.

Wussten Sie schon ?

Die Berufsbezeichnung "Klavierstimmer" ist ungeschützt. Ein Eintrag bei der Handwerkskammer für die legale Ausübung des Klavierstimmens erfordert keinen Nachweis über Kenntnisse in diesem Beruf. Ein Klavierbauer hingegen muss zum Bestehen der Gesellenprüfung die Kunst des Klavierstimmens nach Gehör unter Beweis stellen.

Wie alt ist das Instrument?

Eine genaue Datierung ist bei alten Klavieren oder Flügeln oft schwierig. Meist sind es Kleinigkeiten die einem Fachmann „erzählen“ wie alt das Instrument in etwa ist.

Über die Instrumentennummer lässt sich beim Hersteller meist das genaue Herstellungsdatum in Erfahrung bringen, doch lassen sich die Firmen diese Auskunft häufig teuer bezahlen. Möchte man also das genaue „Geburtsdatum“ seines geliebten Familienerbstücks kennen, ist das sicher ein gangbarer Weg. Für die Altersermittlung eines angebotenen Kaufobjekts aber eher keine Option. Für die schnelle Hilfe empfehle ich gern diese Seite:

 

http://www.merz-klaviere.de/service/wie_alt.php

 

Einfach im Menü den Hersteller auswählen und die Seriennummer eintragen, schon erfährt man auf fünf Jahre genau das Baujahr. Natürlich können nicht alle Hersteller verzeichnet sein. Viele Hersteller haben schlicht zu wenige Instrumente hergestellt um nachvollziehbare Daten zu erzeugen, denn in den Jahren um 1900 gab es allein in Berlin und Umgebung ca. 300 Klavierhersteller. Wenige von ihnen haben es zu einer ernsthaften Produktion gebracht. Einige Hersteller haben auf die Verwendung von Seriennummern ganz verzichtet. Bei diesen Instrumenten ist man dann auf äußerliche Merkmale angewiesen, wobei dann eine Eingrenzung auf höchstens zwanzig Jahre möglich ist. Im Klavierbau sind und waren die Veränderungen am Gehäuse und der Technik ein langer Prozess. Die Flügelmechanik z.B. wurde in seiner heutigen Funktion 1821 von Sébastien Érard erfunden und in Paris patentiert. Die nachfolgenden Veränderungen schafften eine etwas andere Spielart und größere Dynamik, aber das System blieb.

 

Wo findet man nun die Instrumentennummer?

 

Beim Flügel:

  • Im vorderen Bereich auf der Gussplatte (also in der Nähe der Stimmwirbel) oder
  • Auf dem Resonanzboden. Bei sehr alten Flügeln >100 Jahre etwa mittig, bei jüngeren Exemplaren auch am linken Rand. (Achtung!  Nummern am hinteren Ende des Flügels sind meist Produktionsnummern und wurden nur für die interne Teileidentifikation verwendet).

Beim Klavier:

  • Vorrangig auf der Gussplatte im oberen Bereich (über den Stimmwirbeln)
  • Links oder rechts innen in die seitlichen Gehäuseteile eingeschlagen
  • Auf dem Resonanzboden. Auf der linken Seite etwa auf Höhe der Klaviatur

Bei der Suche ist manchmal etwas Geschicklichkeit gefragt. Nummern die sich auf der Rückseite (Klavier) bzw. auf der Unterseite (Flügel) befinden, sind fast ausschließlich Produktionsnummern und für die Altersbestimmung unbrauchbar, da diese mehrmals verwendet wurden.

Klaviere  mit Oberdämpfer

Bei der Suche nach einem günstigen Klavier trifft man gerne auf ältere bis alte Instrumente mit einer Oberdämpfermechanik. In vielen Fällen, so meine Erfahrung, haben diese Mechaniken so ihre Probleme. Das Hauptproblem liegt wohl darin, dass die Dämpfer dieser Mechanik nicht ausreichend Wirkung zeigen. Zum Einen weil sie viel zu hoch angebracht sind und zum Anderen nicht genug Kraft haben um die Schwingungsenergie der Saiten abzudämpfen.

Ich habe Ihnen das mal skizziert:

Man sieht deutlich, dass der Dämpfer nur mit dem Gewicht von drei kleinen Bleistöpseln, und auch noch über eine Umlenkung, gegen die Saite gedrückt wird. Bei der Unterdämpfung wird der Dämpfer mit Federkraft gegen die Saite gedrückt. Zudem ist der Angriffspunkt bei max. 1/10tel und weniger der Saitenlänge. Denkbar ungünstig um die Schwingungsenergie zu stoppen.

Im Laufe der Jahre kommt dann noch hinzu, dass der Dämpfungsfilz verhärtet und eher auf der schwingenden Saite „tanzt“, anstelle die Schwingung zu „schlucken“.  Möchte man also bei so einem Instrument dem Nachhall Herr werden, sind auf jeden Fall neue Filze notwendig. Meist sieht es bei den Hammerkopffilzen nicht besser aus. Ganz schnell wird so aus dem vermeintlichen Schnäppchen ein Fass ohne Boden.

Mein Rat – Finger weg von Oberdämpfer Klavieren. (Ausnahmen bestätigen, wie immer, die Regel. Eine fachmännische Begutachtung bringt Sicherheit).

Klavierbau 1926. Ein Film von C.Bechstein

Der Klavier- bzw. Flügelbau vor fast 90 Jahren war mühsam und handwerklich geprägt. Natürlich gab es schon div. Maschinen, allerdings keine kleinen Handmaschinen wie Bohrmaschine, Stichsäge, Oberfräse, Kantenfräse, Schwingschleifer, etc. Die einzigen Maschinen waren Standmaschinen die meist zentral über lange Lederriemen betrieben wurden. Alle kleineren Arbeiten wurden mit der Hand ausgeführt. Löcher bohren, wo die große Ständerbohrmaschine nicht nutzbar war, mussten mit der Handleier erledigt werden. Der Korpus und der Deckel eines Flügels mussten mehrmals geschliffen werden um die nötige Glätte für die Schellackbeschichtung zu bekommen. Alles mit dem Schleifklotz in der Hand. Wo heute Oberflächen mit der Spritzpistole beschichtet werden, konnten damals die Lacke nur mit Pinsel oder Lappen aufgetragen werden.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf, sollte jeder noch einmal sein altes Instrument betrachten und überlegen, ob es wirklich die Pflege bekommt die es verdient !

 

https://www.youtube.com/watch?v=STULbohrNt0&feature=iv&src_vid=QfemAvrupJ4&annotation_id=annotation_612339

 

(Bitte nicht missverstehen. Ich möchte hiermit nur zeigen, wie vor rund 90 Jahren der Klavierbau aussah. Dass der Film von C.Bechstein ist und für C.Bechstein werben soll ist keine Absicht. Bei solch alten Filmmaterial kann man aber nicht auf große Auswahl zurückgreifen ;-)

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